Deal with it.

Des Deutschen an und für sich lieb gewonnenes Wort lautet seit geraumer Zeit: Großartig. Damit kommentiert der Mensch beinahe alles. Die Entscheidung im Fall Maaßen? Großartig. Der Straßenbelag? Großartig. Die ungelegten Eier? Großartig. Alles groß. Alles artig. Alles erlaubt. Alles deutsch.

So betreibst du auch deine Geschäfte. Haust dabei den einen oder anderen übers Ohr. Großartig für dich. Nepp oder Schmu für den Beschissenen, was der Leidtragende ist. Weil du das so nicht stehen lassen willst, und vielleicht auch gerade in der Volkshochschule dein Englisch aufhübschst, nimmst du neuerdings das Wörtchen DEAL für alles und jeden in den Mund; klingt doch DEAL allemal besser wie der abgestaubte „Handschlag“ oder das alte „Abgemacht“.

Im Positiven raffiniert, im Negativen dubios, gilt ein DEAL immer noch dem DEALER gleich: schmutzig, schmuddelig. Weshalb dir die Werbung bei deinen ominösen Deals hilft: sie schön schreibt und schön (ver-) dreht. Guck:

  • dealgott
  • dealbunny
  • mydealz
  • ProfitDeal
  • DealDoktor („Schnäppchen Blog mit Doktortitel“)

Weil das Spiel mit dir ewiglich so funktioniert, ist seit geraumer Zeit der GREAT DEAL in den globalen Sprachgebrauch von Politik und Journalismus eingezogen. Den weitaus vernehmbaren Anfang hörst und liest du vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der wälzt sich einem Mastschwein gleich, rülpsend in einem „great deal“ nach dem anderen, nachdem er schon zuvor (1987) in „The Art of Deal“ (D. Trump) damit schriftstellerisch experimentiert hat.

Diesseits des großen Teiches schwafelt die, sich in Sachen „DEAL“ eher zurückhaltende, Politik neuerdings von:

  • Idlib-Deal
  • Türkei-Deal
  • Flüchtlingsdeal
  • Rüstungsdeal

Und du? Gewöhnst dich. An solcherart Politik-Deal-Sprech. An gewöhnliche, weil billige Deals, die sich jetzt in der Politik breit machen. Und ehe du auch nur einen Furz denken kannst, ist das politische Handeln zu einem „schmierigen, abgekarteten Geschäft“ verkommen.

Diese  wunderbare Welt voller Deals  schluckst du. Mit einem Kaffee-To-go. Schwipp. Schwapp. Rein und weg. Ohne zu fragen. Ohne nachzudenken. So auch die Meldungen des heutigen Tages, die sich den Deal in die Hand geben.

  • Fliegt Nahles der Maaßen-Deal um die Ohren? (BILD; 19.09.2018)
  • Seehofers und Merkels Maaßen-Deal (MERKUR, 19.09.2018)
  • Nach Maaßen-Deal… (FOCUS 19.09.2019)
  • Fauler Maaßen-Deal (BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG, 19.09.2018)
  • Heftige Kritik in der SPD an Maaßen-Deal (BILD, 19.09.2018
  • Fliegt Nahles der Maaßen-Deal um die Ohren? (B.Z., 19.09.2018)

Deal with it: Die GROßARTIGE Beförderung des amtsenthobenen Hans Georg Maaßen ist über alle Maßen ein Tritt in den Arsch der Demokratie. Weil so ein „Postenschacher“ zwar einem Deal gemäß, eines politischen Parlamentarismus aber unwürdig ist, siehst du rot, weil eben auch Demokraten rot sehen können. Und siehe da:

Fünf Tage später ist der „Maaßen-Deal vom Tisch“ (BILD, MERKUR, SÜDDEUTSCHE am 25.09.2018). Was immer noch ein (schmieriger) Deal und keine klare Ansage ist. Heißt: Der Mann hat weder (von sich aus) abgedankt, noch ist er via eines Machtwortes entlassen. Das sieht die Deal-Politik in einer Deal-Demokratie nicht (mehr) vor. Nein, der Mann ist nunmehr „Sonderberater im Rang eines Abteilungsleiters“, der mit Rang und Namen bombastischer als simpler „Staatssekretär“ daher kommt. Gut, dass du, der du die „Stimme des Volkes“ bist, die solche erhoben hast; kleiner Dealer du.

 

Sprache ist eine Waffe. (Tucholsky)

Wie wahr, wie wahrhaftig: Worte können dich erschlagen. Verletzen. Fertigmachen. Ätzend sein. Dein Gehirn vergiften. Dein Denken töten. Dich sprachlos, mundtot machen.

Wo Menschen sterblich sind, sind Worte nicht vergänglich. Bleiben hängen. Prägen sich ein. Erzeugen Assoziationen. Bei Zitrone denkst du: „Uh, wie sauer“. Und bei „Flüchtlingswelle“ steht dir „das Wasser bis zum Hals“. Solche Bilder verselbstständigen sich, wenn du dein Denken nicht dagegen hältst. Alles und alle sind da gleich: schlecht, heimtückisch, kriminell oder sonstiges PillePalle.

Du kennst das ja, wenn einer sich im Ton vergreift. Dich „Bitch“ oder „Lattenheinrich“ nennt. Einen Spruch von sich gibt, wo du stutzt und denkst: Hat der einen an der Waffel? Wo der Ton die Musik-, macht das Wort das Denken. Und das geht dir seit geraumer Zeit ab.

Wo eben noch Freiheit. Gerechtigkeit. Vielfalt. Neugier, oder oder ganz selbstverständlich dir entsprachen, schlägst du nun mit Worten um dich. Führst voller Hass rhetorische Feldzüge ohne Sinn und Verstand:

MIT Anführungszeichen von rechts außen

  • „Sogenannte Flüchtlinge“
  • „Angebliche Flüchtlinge“
  • „Ausgeweiteter Schutz“
  • „Durchgreifen“

OHNE Anführungszeichen von Rechtspopulisten

  • Mahnmal der Schande
  • Linksversifft
  • Schmarotzer
  • Nur ein Vogelgeschiss
  • Wir werden sie (Merkel) jagen

Ohne Anführungszeichen von demokratischen Parteien, die vor lauter Angst auf Platz 2 zu landen, das nachplappern, was Platz 1 rechts von ihnen hergibt.

  • Dönermorde
  • Rückstau, Rückführung
  • Asyltourismus
  • Ankerzentren
  • Obergrenzen
  • Aggressive Anti-Abschiebe-Industrie

Alles verwirrend. Auch für dich, der du kein Spezialist für Sprache bist. Wie für mich, die ich nichts von Rohrleitungsbau oder sonst was verstehe. Doch weiß ich eins:

Nehmt eure Sprache ernst! (F. Nietzsche).

Leere Worte. Teuer Geld.

Mit dem alles-in-einem-Verb-Substantiv-Adjektiv HYGGE geht die Müsli-Yoga-Kuschel-Kur los: „Das Einfach glücklich sein“ und „Das Gutsein“. Damit hyggst du dich hyggelig, was die Kohle hergibt.

Erst der Lesestoff:

  • „Hygge Wohlfühlglück“.
  • „Hygge – Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“.
  •  „Hygge“, die Zeitschrift.

Dann Schlag-auf-Schlag:

  • Die Geschenkschachtel „Hygge Paper Poetry“.
  • Das „HYGGE INTERIØR“.
  • „Lulu Guldsmeden“, Deutschlands erstes „Hygge Hotel“.
  • „Hygge Style aus luxuriösen und kuscheligen Materialien“.

Weiter, weiter schreit die „Wohlfühl-Industrie“, und suggeriert dir ein Bedürfnis nach „Selbstoptimierung“. Was auch immer das ist, du ahnst: Ohne den ganzen Simsalabim bist du außen vor. Ein Niemand. Ein Unglücksrabe. Ein Miesepeter.

Ergo räum‘ die Konten ab und kauf, wonach es den Turbo-Kapitalismus verlangt:

Das in 27 Sprachen übersetzte Buch „Miracle Morning“, was deine morgendlichen Kniebeugen aufpeppt.

Zeichenschablonen, Aufkleber, Punktelisten und und für Bullet-Journaliling oder „Scrapbooking“, die dein ordinäres Tagebuch aufblähen bis es pupt. Dazu statt der ollen Kugelschreiber noble (Bunt-) Stifte von Faber–Castell, namens „Memory Craft“ .

Workshops und Seminare zu „Digital Detox“, was „Mach mal (Handy-) Pause“ bedeutet. Für teuer Geld, weil du offensichtlich zu blöd zum Schweigen bist.

Helfershelfer, die sich Magic Cleaning“ oder „Decluttering“  nennen, damit du  zu Muttis Freude endlich deinen Scheiß aufräumst.

Down-Sitting“ mit und ohne Spray. Womit du zur Gewinnmaximierung auf deinem Bürostühlchen wie ein Hund „Sitz“ machst.

Kostspielige Sortimente namens „Micro Massaging“, die einst als „Bitte kratz mich mal am Rücken“ geschenkt waren.

Solcherart Tätigkeiten hast du dein Leben lang allein und ohne irgendeine Geldausgabe ausgeführt. Jetzt aber musst du dafür blechen, weil leere Unworte Ehrenrechte genießen.

Fühlst du die Kranksinnigkeit? Die Sprachwidrigkeit? Die Abgedroschenheit? Die aufgeblasenen Worte, die dein Innerstes eintrüben, wenn du nicht auf der Stelle den ganzen Buch-, Produkte-, Seminar- und und- Kram konsumierst?

Merke 1: Protzen. Täuschen. Blenden. Worte, die keine Sau versteht, schinden den meisten Eindruck.

Merke 2: „Wenn ich zwischen Hydropsie und Wassersucht die Wahl habe, bin ich immer für Hydropsie. Wassersucht hat so etwas kolossal Anschauliches“. (Theodor Fontane).

 

 

 

 

 

 

Achtsamkeit.

Hab-Acht. Achtung. Obacht. Vorsicht. Hier kommt mit Ommm: Die ACHTSAMKeit aus der Familie der Nomen est omen: -keit, -heit und -ung. Allemal gewaltiger, größer und potenter als das kleine „achtsam“-Adjektiv. Warum das Nomen auch in aller Munde wie Geldbeutel ist.

Ganz Ohr ohne taub zu sein. Konzentriertes Augenmerk auf das Alter Ego. Gründlich in der Sache. Hauptsache und keine Nebensache. Lebensfreude aus dem hohlen Bauch heraus.

Alles fließt. Alles rotzt. Das bist du: Arbeitsam. Alert. Achtsam. Still gestanden. Stramm gestanden. Der preußische Achtsamkeitshype ist en vogue. Mit acht Ausbildungsinstituten und mehr als 1000 Achtsamkeitslehrer in Deutschland geht das so:

  • Stress?                 Achtsamkeitsübung Nr. 1         „Bekanntes neu entdecken“.
  • Mobbing?            Achtsamkeitsübung Nr. 7         „Sammle Steine“.
  • Fuß-OP?              Achtsamkeitsübung Nr. 3          „Runter vom Gas “.
  • Augen trüb?        Achtsamkeitsübung Nr. 14       „Blind in vertrauter Umgebung“.

„In 30 Tagen zu einem achtsameren Leben“. Bezahlt dir Deine Gewerkschaft. Oder Dein Chef; damit du Teil einer „achtsamen Bewegung“ oder achtsamen Führung“ (je nach Lesart) bist. Oder Deine Krankenkasse; damit du keine Krankmeldung (und damit Verluste) für die Firma einfährst. Oder deine Oma in Untersprockhövel; damit du sie mal besuchst.

Da sagt auch die Wirtschaft nicht nein und empfiehlt: Führen Sie ein Achtsamkeits-Tagebuch“. Für „Vichy“ und seine Produkte „Slow Age“. Dabei liest sich achtsame Werbung so:

  • Achtsam anders leben.
  • Achtsam mit dem Rad fahren.
  • Das Einmaleins der Achtsamkeit.
  • Achtsamkeitsakademie.
  • Menschen mit Demenz achtsam begleiten.
  • Achtsamkeitstag am 27. Oktober 2018.

Soweit. Soviel Zu viel:

  • Du findest keine bezahlbare Wohnung? Keinen Pflegeplatz?
  • Keine Kita? Keine gerechte Bezahlung?
  • Rechte Hetze? Flüchtlings-Hatz?
  • Rassisten? Nazis? Homophobie?

Was machst du da? Achtsamkeits-Meditation? Hilft das? Gegen Diktaturen? Autokraten? Kriege und Verfolgung? Aufrüstung? Waffenexporte? Hunger? Elend? Klimakatastrophen?

Darum sage ich dir sänftiglich wie sanft: „Des Geistes Kind sind Modeworte, die achtsam modern.

Passwort. Welt. Tage.

Was hast du nicht alles versucht. Den Rosenkranz gebetet. Den Heiligenkalender zerfleddert. Grade und Dutzende am Roulette Tisch hypnotisiert. Gewürfelt, was die Steine hergeben. Und dann, dann endlich hast du es: E4711hlTGu7pf???我. Das 49igste deiner, kleinen Durchschnittsbürger-50-Passwörter.

Davon eins für den Stromzähler des Netzbetreibers. Eins für den Stromzähler des Stromlieferanten. Was zwei verschiedene Sachen sind, und darum zwei verschiedener Parolen bedarf. Dazu eigens kreierte Codes bei den Social-Networks. Parship. MyHammer. Beate Uhse, und, und. Damit dir keiner hinter die ausgeklügelte Tarnung deiner, natürlich nur dir bekannten „Geheimsprache“, auf die Schliche kommt, begeht die Menschheit an einem jeden 1. Februar den wundervollen „Ändere-Dein-Passwort-Tag“.

Ergo: Generiere bei jedem Gang zur Latrine, was ja dein Weg ins Netz ist, ein neues Scheisshaus-Wort. Sonst, ja sonst drohen dir drakonische Strafen. Nein, nicht von „den Asozialen“, die dich „Schlampe“ nennen, oder „den Hackern“, die Phishing oder sonst was betreiben. Nein, das Smartphone ist UND wird der (Sicherheits-) Bösewicht. Mit den Fingerabdruckscannern. Ohne Hand-auf-legen läuft da kein Wort mehr zwischen dir und deiner Jogginghose.

Da hast du keine Wahl. Sicherheit, was Daten-Sicherstellung ist, geht über alles. Bei den Marketing-Leuten. Bei der Krankenkasse. Bei den Nachrichtendiensten. Da gibt es nichts zu meckern, und nichts zu hinterfragen. Und falls doch, konzentriere dich lieber auf die kommenden Welttage, die von immenser Bedeutung für internationale Themen und aktuelle Weltprobleme sind:

  • Internationaler Falschparker-Tag (12. Februar 2018)
  • Welttag der Rohrleitungen (16. März)
  • Welt-Party-Tag (03. April 2018)
  • Welttag des Purzelbaums (27. Mai 2018)
  • Internationaler Inkontinenztag (30. Juni 2018)
  • Internationaler Welttag des Bartes (07. September 2018)
  • Welthundetag (10. Oktober 2018)
  • Internationaler Tag der Frustrationsschreie (12. Oktober 2018)
  • Welttoilettentag (19. November 2018)

Dabei steht noch aus, worum sich die Schreiberin bemüht:

  • Welttag der deutschen Regierungsbildung (Tag X )
  • Welttag der politischen Lähmung ( Tag Y)

Übrigens: Am 08. März 2018 ist „Internationaler Frauentag“. Am 1. Mai 2018 „Tag der Arbeit“. Am 01. September „Antikriegstag“. Das waren- UND das sind noch Tage…

Hash Tag

Das Ding mit dem Symbol # und dem „tag“ ist omnipotent. Im Netz. In der BILD-in-der-Hand. Auf dem Toilettenpapier. Hasch-Mich’s ohne Ende.

Ohne Lattenkreuz scheint das geschriebene Wort nackig, teigig, läppisch. Der Hashtag krallt sich jeden deiner Buchstaben; was du auch liest, was du auch schreibst. Das Teil # ist allmächtig. Darum musst du tun, wozu es dich zwingend zwingt:

Eine „Liebe“ ohne # ist keine Liebe. Ein „Hühnerauge“ ohne # nicht existent. Eine SPD ohne #spderneuern unbrauchbar. Also drück immerzu und immerfort die Raute-Taste, bevor du einen Furz von Buchstaben setzt.

Wo Männer Schweine-, sind Frauen mit #aufschrei und #metoo auf dem Vormarsch. Wobei ohne Frage auch #sexybody eine Ferkelei ist. Was natürlich zensiert wird. Hingegen sind rassistische, rechtsradikale, homophobe, antisemitische etc. Hashtags nicht bahbah. Die darf jede Sau absondern. Nur wer mit #NippelstattHetze demonstriert, geht hops.  Hinfort damit. Da kennt der Zensor kein demokratisches Erbarmen.

Betriebswirtschaftlich dumm läuft das #Hasch-Mich-Spiel, wenn du Follower brauchst. Und zwar tausende ohne Ende. Weil die Reichweite generieren. Von dem was du verkaufen willst. Deine Meinung. Deine Liebe. Deine Niere. Und das zack-zack. Weil: Ein Hasch-Mich, der nicht von der ersten Sekunde eine „Interaktionsrate“ erzielt, macht als Unsinn – Sinn.

Darum ist es auch Usus, manche Wörter in Großbuchstaben, aber ohne Vokale zu schreiben. Für „Legende“ steht dann zum Beispiel der Hashtag #LGND.  Getoppt hat den Schwachsinn die schwächelnde CDU. So vernahm das blöde wie plöde Wahlvolk im Bundestagswahlkampf 2017  Stunde um Stunde den seltsamen Buchstabensalat #FEDIDWGUGL („Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“.

Darum merke:   #Der #Zensor #verfügt #über #Beschränktheit, #wo #wir #Beschränkung #brauchen.

Strich. Gestrichen voll.

Dreh dich nicht um. Der Strich geht rum. Mitten. Unten. Durch. Streicht der Strich durch, was ihm unter die Linie kommt. Ob das Sinn macht oder nicht. Hauptsache: Strich. Aussage hin. Aussage her. Der Inhalt ist gestrichen. Die Worte futsch. Der Buchstaben ledig, steht der Strich im Nichts.

Da blinzelst du. Und wirst ganz irre. Von den ganzen wie den halben Strichen. Da geht der Strich auf den Strich. In der Werbung wie in der Politik. Streicht der Strich statt unter-, durch das Wort.

Walzt das Denken matschig. Trampelt Punkt für Punkt das kleine Runde wie das halbe Kommata in Grund und Boden. DAS geht uns GEGEN DEN STRICH.  Weil: Unterm Strich DURCH den Strich – das Denken auf der Strecke bleibt.

Guck dir DAS mal in der Werbung an:

  • Unterm Strich mehr Haus.
  • Unterm Strich effizienter.
  • Damit es unterm Strich stimmt.
  • Unterm Strich mehr als Text.

Hilfe. Mach‘ die Balken wech.

 

 

Punkt. Ausschlag.

Der Duden spricht: Der Punkt ist „ein kleiner (kreisförmiger) Fleck, Tupfen“. Da kannst du reden, seiern, sabbern, was du willst. Am Ende steht der Schlusspunkt oder Satzendepunkt. Das vergisst du gelegentlich. Palaverst und schreibst dann ohne Punkt und Komma. Bei WhatsApp was Facebook ist. SMS oder Twitter. Aber was soll’s: Hier ist „das Texten“ dein Privatgeschäft.

Vergessen wir also privatissimo die Sache mit dem Punkt. Auch wenn der Herr Tillmann Prüfer im ZEITmagazin Nr. 14/2017 am 31. März 2017, PUNKT 7:18 Uhr sauren Gesichts deine Punktfehler als das generelle Ende der Punkte bemäkelt, und darob „einen Aufschrei der Linguisten“ – Herrjemine – was für ein Donnerwetter – fordert. Geht dir am Arsch vorbei. Wo du in der Kürze der Twitter-Sülze lieber ein Emoji statt einen Punkt setzt. Sieht ja auch viel schöner aus: So ein gelbes Asiatenärmchen mit WinkeWinke an den schwarzafrikanischen Freund.

Andererseits – schauen wir uns die Werbung an – wächst der Punkt ins Unermessliche. Wird größenwahnsinnig: Groß und größer. Je weniger die Reklame uns zu versprechen mag, je größer der Punkt. Im Moment ist der en vogue hinter jedem Wort. Da gibt es keinen Satzanfang, nur das Ende. Punkt. Um. Schau her:

Das Auto. / Der Golf. Das Auto.

Wir. Dienen. Deutschland.
WIR. Unternehmen. Mint.

Und dann gibt es die absoluten Punktefreaks. Die setzen nicht, nein, die malen wunderbare Punkte.
Was sage ich: Die texten punktgenau den Punkt als Punktum. Guck mal hier:

Punkt. Punkt.. Punkt…
punkt + pixel
Creativpunkt. Sag’s mit Werbung!
Trend Punkt. Werbung
schwerpunkt. werbung
Schwerpunkt.
Punkt. Media
schwerpunkt. werbung
Auto-Punkt 21
auf den Punkt.

Im Angesicht von sowas von Punkt, ist der „Der Grüne Punkt“ eine giftspeiende, in Vergessenheit geratene dicke Tonne. Heutigentags punktet der „Golf Alltrack“ doppelt gemoppelt in nur zwei Worten gleichsam in einem Atemzug mit Doppelpunkt UND Punkt. Das hat was von ansteckendem Ausschlag; was dem Krankheitsbild der Tucholsky’schen „Interpunktionsräude entspricht.

ePerso. D E R

Dolle Sache das. Mit dem „neuen elektronischem Personalausweis“ (nPA) der satte sieben Jahre alt, auch im März 2017 noch zeitnah, sprich „neu“ genannt wird.

In dem „neuen“ Heftchen in deinen Händchen liest du staunend: „Liebe Bürgerinnen und Bürger… der Neue kann viel mehr. Speicherung der Fingerabdrücke für mehr Sicherheit… dauerhaft wirksam geschützt“.

Hammer. Kein Hacker. Kein Geheimdienst. Keine kryptographische Erfindung. Kein Niemand wird bis in alle Ewigkeit deine Daten – wirksam – knacken können. Logisch, wenn du dir den „Attentäter von Berlin mit 14 Identitäten“ vergegenwärtigst.

Soviel eEgos nimmst du, der du ein guter, ein braver Bürger bist, natürlich nicht auf dich. Stattdessen arrangierst du freiwillig deine Fingerabdrücke und bestätigst die aktivierte „Online-Ausweisfunktion“. Hernach kaufst du dir im „Ich-bin-doch-nicht-blöd-Markt“ in Lesegerät für deinen Ausweis. Setzt dich vor deinen Rechner und los geht’s:

Kaufen-kaufen, bloggen, twittern, chatten, blah-blah. Und alle lesen, sehen, speichern mit: die NSA, der BND, Edward Snowden, der Chaos Computer Club und Thomas de Maizière. Der, umfänglich NICHTS schwadronierend, „mit beiden Schwestern und einem Bruder eine glückliche Kindheit erlebte…mit einem Milchkaffee einen typischen Arbeitstag startet…“ https://www.thomasdemaiziere.de/mein-leben

In der Hosentasche seinen ePerso mit gespeicherten Fingerabdrücken  für den „Identitätsscheck mit grenzüberschreitender Funktion“ (Bundesministerium des Inneren). http://www.personalausweisportal.de/DE/Home/home_node.html.

Super Bürger; DER.

Trump. A u c h

Wo du beim „eigentlich“, was wie das „zwar“ ist, hinterhältig denkst und aufgeblasen schreibst, kannst du beim „auch“ nicht viel falsch machen. Die vier Buchstaben setzen vorwärts-rückwärst-seitwärts-ran. Am Ende ist alles wie es ist. Das gilt  a u c h  für dich. A U C H wenn ich dir das schon dreimal gesagt habe.

A U C H  sagst du:

Unter ferner liefen: „Ich liebe dich  a u c h“.

Erwartungsgemäß: „A u c h wenn du anderer Meinung bist“.

Mit Zugabe; obendrauf wie obendrein: „Kleinvieh macht  a u c h – Mist“.

 Werblich geht das so:

  • Es geht a u c h anders.
  • Damit Ihr Strom a u c h wirklich aus der Natur kommt.
  • Das ist doch a u c h Werbung für Dich!
  • Jetzt a u c h als Briefmarke.

Journalistisch – A U C H  wie folgt:

  •  A U C H  Trump kann Twitter nicht helfen (Neue Züricher Zeitung, 09.02.2017).
  • A U C H  Trump kann Adam Riese nicht außer Kraft setzen (IKZ-online.de 15102.2017).
  • Da hilft  a u c h  Trump nichts! (inanztreff.de 13102.2017).
  • A u c h  Trump drohnt! (rundbriefkasten.wordpress.com 20.01.2017).
  • AUCH mit einer Donald-Trump-Perücke liegt man diesen Fasching im Trend. (kurier.at 21.02.2017).

Wofür das ganze viele A U C H?  Jeder Satz der hier steht, ist ohne  a u c h genauso klar. Vielleicht ein wenig schlichter. Vielleicht weniger dramatisch. Gleichwohl korrekt. Darum merk‘ dir eins: Trump ist  a u c h  – nur – ein Mensch. Und merk‘ dir 2: „Alles ist richtig, a u c h das Gegenteil“ (Kurt Tucholsky).