Author Archives: Adelheid Schardt

Zeitfenster. Pandemie.

Da willst du, sagen wir mal: Auf der Stelle – sofort – spontan sein. Sozusagen: Ober-Ober-Postwendend. Vorbei. Tom Dooley, auch du.

Sieh’ nur. Lies nur, was dir in der Pandemie entgegen schreit:

  • Die Buchung eines Zeitfenster-Tickets wird empfohlen
  • Bei der Buchung muss ein Zeitfenster für den Einlass gewählt werden
  • Regulierung der Eintrittszeiten durch Zeitfenster-Tickets
  • Auslastung gilt bis Ende nächstes Zeitfenster
  • Lassen wir nicht zu, dass sich das historische Zeitfenster wieder schließt
  • Zeitfenster 2020: Solidarisch statt imperial
  • Mein Zeitfenster Tagebuch:  Mädchen Frauen Einschreibbuch

Usw. usw.

Du siehst: Die Zeichen der Zeit stehen auf Zeit-Zerkleinerer. Zeit-Zerr-Denker. Zeit-Ungeist. Da wirst du doch ganz kirre. Du bist doch keiner, der seine Zeit zum Fenster raus wirft. Wo doch so ein „offenes Zeitfenster“ ganz schön zugig ist. Hingegen bei einem „engen Zeitfenster“, jeder denkt, du seist an Bulimie erkrankt.

Damit dem nicht so ist, offeriert dir die „Gemeinde Pfarre Franziska von Aachen“ ein Sahnehäubchen: Den „Zeitfenster-Gottesdienst für Herz & Hirn“.

The best of the best aber ist das Acrylbild der Künstlerin Frau EWA M. mit dem Titel: „Zeitfenster Zarte Versuchung“.

Da zitier’ ich mit Elmar Kupke dir: „Die Zeit hält nicht mit den Besten Schritt… “.

Duden, du.

Du hast sie schnell begriffen, wenn auch nicht im Griff; die neuen Begriffe. Die neue Normalität giert nach neuen Wörtern. Wortschatzforscher, du.

Der „Dudenkorpus“, eine Textansammlung von dato fünf Milliarden Wörtern, wächst und wächst. Frisst und frisst sich voll. Mit dünnen oder dicken, schweren oder leichten Worten aus Zeitungsartikeln. Romanen. Gebrauchsanweisungen. Bastelbögen, Kolumnen. Der ganze Klumpatsch zeigt des Deutschen Wortschatz; vom Ungeborenen bis zum Wiedergeborenen. Ja, da staunste.

Und nun der oder das Virus. Und die Corona-Sprache. Sind schon in aller Munde. Fliegen von Klappe zu Klappe. Wiederholen sich. Werden wiedergekäut. Mit Anglizismen umgeben. Entlehnt oder neugebildet.

Schau dich um:

Social Distancing. Abstrichzentrum. Immunitätsausweis. Abstandsregel. Basisreproduktionszahl
Lockdown.
Spuckschutzscheibe. Corona-Babys. Corona-Bonds
Homeschooling
Herdenimmunität
Tröpfcheninfektion

Und das Beste aller Besten: Öffnungsdiskussionsorgien;  danke Mutti. Ergo Gott zum (neuen) Gruß:

Bleiben Sie gesund“.

Beinamen

Du trägst nicht nur einen, zwei oder mehr Namen. Du hast derer unzählig viele; Beinamen. Durch deinen Beruf. Den Namen deines Vaters. Durch deine Herkunft. Da wirst du „König von Mallorca“, „Spatz von Paris“, „Retter von Istanbul“, oder „Mother Monster“ gerufen. Mit Beinamen bist du identifizierbar. Auf dem Amt. Beim Arzt. Bei der Hausverwaltung.

Ein Beiname hilft (aus-) zu sortieren. Ruckzuck. Welche Spezi sieht wie aus. Kommt woher. Soll nicht wohin. Schau nur, welche Beinamen der Herkunft im Jahr 2020 in Deutschland gebräuchlich sind.

 

Ganz oben
DIE-EINEN-DEUTSCHEN
Bio-Deutsche
DeutschDeutsche
Echte Deutsche
Standard-Deutsche
Copyright-Deutsche
Herkunfts-Deutsche

 

Fast oben
DIE-ANDEREN-DEUTSCHEN
Neue Deutsche
Deutsche mit Migrationshintergrund
Deutsch-Türken

Russlanddeutsche

 

Unten
NICHT-DEUTSCHE
Gastarbeiter
Vertragsarbeiter
Roma-Migranten
Postmigranten

Kontingentflüchtlinge

 

 

Ganz tief unten
CORONA-INFIZIERTE ROMA

 

Darum merke: „Die Sprache ist der Leib des Denkens“ (F. Hegel).

Corona. Korona.

Mein kleiner Schlaumeier unter den großen Dummköpfen. Du bist gewitzt und auch (halbwegs) gebildet. Du kannst differenzieren zwischen Fake und Fakt. Zwischen „C“ und „K“. Corona und Korona. Du bist ja nicht blöd: Du Mediamarkt.

Darum hast du deine zuckersüße Tochter auch „Korona“ genannt. Lange vor diesem neuerdings weltweit grassierendem bösen Wort. Dabei war es deine stumpfsinnig-geistreiche Gattin, die auf der Schreibweise mit dem „K“ bestand. Denn natürlich schreibt sich „Corona“ nach der „Heiligen Corona“ mit einem „C“, so wie die frühchristliche Märtyrin.

Auf ihren „Korona-Namen“ ist deine Kleine, die mit ihren heute sechs Jahren ja schon richtig groß ist, mega-stolz; sagst du. Darum widmest du dich, vor Vergnügen glucksend und quietschend den vorgeblichen „Witzen“ über Corona-Bier. Böser Bube du: dein Katholiken-Gott sieht alles. Gut, dass da die Welt im Pfarrdorf Korona, was im bayrischen Passau liegt, noch glaubhaft in Ordnung ist.

In Berlin hingegen kämpft Lothar Schulz von „Korona-Reisen“ ums nackte Überleben. Wer möchte schon mit „Korona-Reisen“, sagen wir mal auf einem Kreuzfahrtschiff, Corona erben?  Da stopfen wir uns doch lieber „Fragaria Korona“, was eine Erdbeere ist, ins Maul.

Und dann dein Onkel Konrad. Der hatte bis 1996 einen „Toyota Corona“, was heute die Autobauer in Wolfsburg auf eine leichtfüßige Idee bringt. Mit dem Hashtag #wirfüreuch biedert Volkswagen in der Corona-Krise allen „Superhelden“ 10.000 (zu wenig) Autos an. Einfach beim Händler melden. Und zack steht die Kiste vor der Tür vom, sagen wir mal,  „systemrelevanten Spargelstecher-ChefeJosef Jacob in Brandenburg. Der, und das ist natürlich auch nicht falsch, den Spargelpreis in sein „Korona-Kassensystem“ knallt.

Währenddessen entdeckt Kevin Korona (*1988), der hier oder dort berühmte Bobsportler, das neue Genre der „Corona-Literatur“ mit dem putzigen Slogan: „Lesen ist ansteckend“. Derweil ziehst du genüsslich an deiner „Corona Zigarre“, nur Zigaretten erregen Corona, und übst den Singsang über die Hausordnung, die du dem Nachbarn später vom Balkon geigen wirst. Doch in diesem Moment ist schon alles wieder überholt: Singen gefährdet die Gesundheit; darum verboten. Warte ab, was noch passiert.

Wir lesen uns wieder.

Tugendwächter

Weh‘ dir, du wagst es einen Witz zu machen. Sagen wir mal: Über „die Keule“ in Nachbars Schweine-Garten. Chinesinnen, die mit Stäbchen suchen Cannelonis zu verdrücken. Omas, die im öffentlich-rechtlichen Hühnerstall als Umweltsäue tönen.

Oder über Schwiegermütter, die an einem (Werbe-) Tatort – Glas- und Gebäudereiniger nerven. Geht gar nicht. Weil erstens Schwiegermütter nie nerven. Zweitens alle Schwiegermütter der Welt diskriminiert werden. Drittens auch der (Tatort-) Tod nicht zum Totlachen ist.

Setzen. Rüge. Schilt der deutsche „Werberat“ wie des Volkes Unmut-Stimme. Schluss. Aus. Wage keinen Widerspruch. Auch du nicht, Schauspieler, der du im Januar 2020 mit einer von dir designten ALDI-Tasche im Einkaufswagen einen Obdachlosen mimst.

Da erhebt sich ein Shitstorm im Wasserglas des Odol-Konsumenten. Spuckt, würgt, salbadert das Zauberwort „Political Correctness“ aus. Und zack stehst du an der Wand. Kriegst eine, und noch eine geschallert.

Tja meine Gute. Mein Guter. Mein/e Divers: Es wird Zeit, dass du „umerzogen“ wirst; durch Sprache und Symbol. All dein Denken, all dein Tun stehen auf des Messers Schneide. Deine sexistische Werbung sowieso. #Metoo sei mit uns.

So sieht’s aus Macho, du weißer alter Mann, du Rund-um-Diskriminierer.

WER aber fragst du, ist der Herr, die Herrin, das Divers, der-die-das „diskriminierungsfreie Denken“, Hören, Handeln“ benennt? Pädagogen? Feministen? Identitäts-, Gender-, Drittewelt-Studien-Akademiker? Gewerkschafter? Theologen? Beauftragte aller Arten?

Das Orwell’sche “Wahrheitsministerium“ mit einem neuen Tugendwächter-System?

Sicher ist: Erdreiste dich nicht aus Lust an der Kunst einen Akt  in den Galerien aufzuhängen, geschweige denn zu betrachten. Dazu ein Hinfort mit der afrikanischen Kunst in den Museen. Und sowieso ein sprachverdammtes, gottverwandtes Pfui den Zigeunerschnitzeln, Mohrenköpfen, Mohrenstraßen und den veganen, die Massentierhaltung diskriminierenden, KATJES. Das Geschrei, das Petzen und Verklagen nimmt kein Ende mehr.

Nur das Wort „Döner-Morde“ bleibt bis heute ungesühnt: Nicht gerügt. Nicht angemahnt. Nicht verboten. Stimmt doch. Oder? Tugendwächter, du.

Deutsch. Sooo…

Da stehst Du mit deinem Hund auf dem Fußballplatz und siehst nicht des Köters Scheiße, sondern was? Genau: Ein Riesenplakat, auf dem ein
hündisch blickender Dackel spricht: Das ist sooo deutsch„.

Geworben wie geschrieben von der Deutschen Bundesregierung. Die erklärt dir, weil du ja sooo blöd und sooo begriffsstutzig bist in der Unterzeile: Deutschland ist kein Dackel, aber ganz schön eigensinnig“.

Soll das ein Witz sein? Wollen die dich verarschen? Warum ist ein deutsch aussehender Dackel nicht-deutsch? Und warum ist Deutschland „ganz schön eigensinnig“? Also nicht halb-, sondern ganz schön-. Und warum kommen weiße Socken in Birkenstocksandalen aus Deutschland, das Land der Socken- und Sandalenträger? Dann gibt es da noch den Gartenzwerg, den Stau auf der Autobahn, den Rhein und und. Alles „sooo deutsch“?

Ja, da staunste: Wie der leitende Ministerialrat Müller-Müdenscheid in seinem grünen Jägerhöschen auf seine Schenkel klopfend „Sooo deutsch. Das ist zum Schreien“, brüllt. Genau: Der Staatsdiener, der den Vorsitz in der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ innehat. Das stimmt. Ich schwör‘.

Wenn also der deutsche Amtsträger einmal in seinem Arbeitsleben gaaanz witzig und gaaanz kreativ sein will, kommt „Das ist sooo deutsch“ mit 7,8 Millionen EURO Kosten raus.

Deutsche sind tüchtig; keine Frage: Zum Beispiel, wenn sie klammheimlich ein rechtsradikales Netzwerk namens „NSU“, installieren, das dann andere Deutsche – Achtung, deutsche Intelligenz -„Dönermorde“ nennen. Oder sich demokratisch rühmen, weil eine rassistische Partei DER Oppositionsführer sein darf. Oder sich in der Tram über lauthals sprechende Laute aufregen. Oder dem Schiedsrichter aufm Platz eins in die Fresse hauen; genauso wie den Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern.

Das alles können Deutsche superb. Nur lachen kann die Spezi nicht, weshalb es auch ein „Deutsches Institut für Humor“ braucht. Das bietet „Kommunikationswahnsinn in bezaubernden Impulsvorträgen“ an. Was, wie wir inzwischen wissen, den treuen deutschen Staatsdiener außerordentlich inspiriert.

Da geht er dann hin, der Deutsche. Will ganz lustig sein, als Biene Maja oder und als Putzfrau-Gretl bei der „Saarländischen Narrenshow“. Da macht sich der politische Mandatsträger zur Witzfigur. Nicht ohne zuvor Lachyoga-Seminare besucht und sich auf den „Tag des dröhnenden Lachens“ am 24. Januar 2020 mit verkniffenen Mundwinkeln vorbereitet zu haben.

Darum merk‘ Dir hier, was Otto von Bismarck sagt: Es muss ein eigentümlicher Zauber in dem Worte „deutsch“ liegen.

 

 

Klima. Streik.

Stell’ dir vor, du musst, was du nicht willst, den Führerschein für den E-Roller machen. Da sitzt du beim TÜV SÜD in einem Kabuff. Kaust auf dem Tablett-Stift rum und rätselst: Welches der hier stehenden Worte ist, weil unlogisch, Schwachsinn:

  • Klimaschutz
  • Klimaanlage
  • Klimaabgabe
  • Klimastreik
  • Klima- und Gebäudetechnik

Hah: Ich sehe, dir entgeht die Geistesschwäche des gesuchten Wortes: Klimastreik. Dummkopf du. Ein Streik hat immer mit einem Streit zwischen Kapital und Arbeit zu tun. Mit Forderungen und Tarifverhandlungen. Und du bestreikst wahrheitlich das Klima? Was soll es tun? Dir mehr Luft verschaffen? An den Verhandlungstisch zurückkehren? Panne im Kopf? Oder was?

Versteh’ mich nicht falsch: Greta Great ist famos. Mit allem, was sie losgetreten und ins Rollen gebracht hat. Aber als sie noch ganz still und ganz allein vor einem Jahr ihren Kartondeckel in die Luft hielt, da stand auf diesem „Skolstrejk For Klimatet“. Ganz richtig.

Und du Depp, du Nichtswisser strickst daraus ein neues Preußenwort mit dem du in die Schlacht ziehst. Lies selbst:

  • Das ist mit Abstand unser größter #Klimastreik jemals.
  • Eine erfolgreiche globale Klimastreik-Woche!
  • #Klimastreik am 20. September bei Dir vor Ort!
  • (…) Rufen wir alle Menschen zu einem weltweiten Klimastreik auf.
  • Bilder und Eindrücke vom größten Klimastreik aller Zeiten
  • https://www.klima-streik.org/

Was für ein geistiges Klima der Unlogik. Entweder du schwänzt die Schule, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Oder du legst die Arbeit nieder, um, sagen wir mal, gegen den Kohleabbau auf die Straße zu gehen. Aber Klimastreik ist hohle Birne. Heiße Luft.

Dabei bist du von den ganzen Klima-, Rassismus-, Sexismus-, Flüchtlings-, Wohnungsnotaktionen usw. usw. so fix und alle, gestresst und erschöpft, dass du gar nicht mehr mitkriegst, dass das Klima zwischen den Menschen UND zwischen den Staaten immer kälter wird.

Da hat Trump den Abrüstungs-, INF-Vertrag gekündigt. Und schon legen alle Länder wieder die Hand an die Pistole, heißt rüsten erneut atomar auf. Militärische Drohnen, Interkontinentalraketen, biologische und chemische Waffen, zunehmende Selbstbewaffnung wie ganze Bürgerwehren nehmen dir und deinen Kindern jegliche Luft zum Atmen.

Und du schreist „Klimastreik“, statt, das wäre doch mal wieder was: „Frieden schaffen ohne Waffen“.

 

Tierisch

Gib es zu, ich kenne dich: Wann immer der Tierschutz ruft, stehst du am Unterbarmer Bahnhof in deinem Wald- und Wiesen-T-Shirt. Du also in so einem Teil. Rufend. Schreiend. Und zack bleiben die Leute stehen. Oder machen sich hurtig vom Acker, weil sie ein schlechtes Gewissen ob ihres proppevollen Mundes mit dem Burger Kaiser haben. Respekt. Respekt. Du hast was von einem hohen Tier.

Genau wie der amerikanische Rüpel mit den gelb gefärbten Haarschnipseln über dem Hirn. Ebenso der italienische Dauer-Verlobte, Kuh-Hüter und TausendHassa. Oder der zähnefletschende Bello in Ungarn. Und ganz on top der ungezügelte, nackte Russe auf dem hohen Ross. So was macht dich tierisch an. Das sind alles tolle Hechte; wilde Tiere. Männer die. Wohingegen die preußische „Mutti“, „das Mädchen“, nur handzahm ist.

Ebenso die  neue EU-Kommissionspräsidentin. Die stoisch lächelnde Blondine ist beileibe keine blöde Gans. Genauso wenig wie die Klofrau aus dem Saarland, die via Frauentausch jetzt Herrscherin der deutschen Truppe ist. Solche Menschen, Mann muss es sagen dürfen, fehlt das Animalische. Oder kannst du dir die Annegret mit neckischen Dekolleté neben einem, sagen wir mal, Lama vorstellen?

Wen interessierts. Dir geht der feminisierte Kuhhandel in Berlin und Brüssel am Allerwertesten vorbei. Gerade wo „die da oben“ drohen Sonntags deinen Späti dicht zu machen. Das wirst du zum Elch. Gründest und betreibst Läden wie diese hier:

  • Tierisch gut (Das Futterhaus)
  • Tierisch engagiert (Fressnapf)
  • Tierisch tierisch (MDR-Tiermagazin)
  • Tierisch Urban (ARTE)
  • Tierisch anders. Tierisch mild. (Camel)
  • Ein tierischer Laden (Futterfreund)
  • Tierisch gute News (Futterpost)
  • Seniorpfoten (Hundeeis)

Usw. usw.

Und weil du kleinbürgerliche, arme Sau auch ein tierisch kleiner Philosoph bist, schreibst du ein Buch. Und dann noch eins und noch eins. Jedes einzelne trieft von Tierliebe. Das ist en vogue, weil unpolitisch. Und keine Politdressur. Schau, was du alles fabrizierst:

  • Was wir von (nicht „vom“) Vögeln lernen können
  • Die Mäusestrategie
  • Die Tyrannei des Schmetterlings
  • Fische, die auf Bäume klettern
  • Das Labyrinth des Fauns
  • Der Bücherdrache

Usw. usw.

Dazu der aktuelle Bestseller „Was Tiere WIRKLICH wollen“. Womit Viecher und und nicht die „hohen Tiere“ im Berliner- und Brüssel-Kuhhandel gemeint sind. Ich glaub mein Schwein pfeift.

PS.       Briefauszug an die, der das GenderbeauftragteN_x: „Da in obiger Kolumne nur ein einziges Mal eine Gans auftaucht, ansonsten alles tierisch männlich ist, ersuche ich dringend um eine gendergerechte Tiersprache. Schwein_In. Hundx. Oder Kater*In. Nur mal so als Beispiel…“

PPS.   Saugute  Kolumnen entstammen beileibe NICHT Adelheid’s innerem Schweinehund.

Bewertung. Echt jetzt?

Da stehst du auf; wie alle Tage. Drinnen trübes Licht. Draußen trübe Sicht; alles grau in grau. Da tust du deine Pflicht; wie alle Tage: Auf dem Amt, der Baustelle oder der Pflegestation, was allesamt das Gleiche ist. Machst und tust. Werkelst und wurstelst. Dafür kein Bitte. Und kein Danke.

Das nagt an dir wie Mäusezähnchen; alle Tage ein bisschen mehr. Dann machst du das Maul auf. Haust rein, dass die Fetzen, ähm die Sterne, fliegen.

Finger-Show: Erst mal bei „jameda“. Weil dein Schnupfen deinem Arzt egal ist: Sternabzug. Dann zu „kununu“. Punktabzug. „Schnösel, die“. Weiter zu „hotelbewertung“. Alles nicht das Gelbe vom Ei. Drüben bei „yelp“ noch den Abschleppdienst moniert, und für heute erst mal Schluss. So eine Bewertung tut gut. So eine Bewertung macht Mut. Sich nichts gefallen lassen. Endlich mal was Großes leisten; kleiner Mann, du.

Bewertung um Bewertung. KlickKlack. KlickKlack. Stern buy Stern. Rumtata und Dudeldumm. Deine Bewertung ist, was Unternehmen fürchten. Ein schlechter Stern-Score und Tschüss. Ergo kreuzt der „WEB REPUTATION MANAGER“ mit „review meta“ oder „yourreputation“ auf. Manchmal auch Thomas F. Rechtsanwalt und REPUTATIONS-EXPERTE FÜR DEUTSCHLAND. Der verspricht gut zu machen, was deine miesen Sterne Schlimmes taten. Was dich nicht kümmert…

Du bist unangetastet; gottgleich. Aber auch Mensch. Darum willst du für deinen ganzen Bewertungsmüll Kohle sehen. Schließlich bist du echt jetzt. Und kein Fake, und kein Fake-Bewerter. Darum gehst du zu „machdudas“. „11880. Da werden Sie geholfen“. Oder „echte-bewertungen“. Die da werben….

  • Aktivieren Sie Ihre Sterne.
  • Einfach. Echt. Bewerten.
  • Keine Macht den Fakes!

Und da setzt du dann die Worte ein, die ich bei denen abgeschrieben habe:

„Ich bin Sekretärin von Beruf und bin Texterin nebenberuflich. Nebenbei schreibe ich auch Krimirezensionen. Daher würde ich Sie gern unterstützen“.

Oder:

Sehr geehrter Auftraggeber, gerne würde ich und mein Team den Auftrag übernehmen. Welchen Wortpreis hatten Sie sich vorgestellt? Täglich können wir Ihnen derzeit bis zu 10.000 Wörter liefern. Bei Interesse würde ich mich über eine PN sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen, Wilhelm, Berlin-Mitte„.

Und bei alledem, was du da tust, vergisst du ganz und gar Dein Bauchgefühl. Mal was ausprobieren. Mal auf gut Glück studieren.  Mal sich treiben lassen. Mal sich überraschen lassen. Stattdessen starrst du auf die Sterne, was dem Vollmond Schnuppe ist.

Berliner. Schnauze.

Pass ma uff, Keule.

S-Bhf. Oranienburger Str. Treppe runter. Die Bahn rauscht ein. Du fährst deine Ellenbogen raus. Bahnst dir einen Weg durch das stehende, sitzende, lärmende, Döner-futternde, Touristen-App-studierende Volk. Erspähst einen Sitzplatz, der hier eine rare Angelegenheit ist. Platzierst deinen Allerwertesten. Schlägst deine Zeitung auf. Da passiert es, da passiert ER:

Ein Herrlein, dir gegenüber auf dem Sitz. Behübscht mit spitzen Schnabelschühchen. Engem Karottenhöschen mit schmalen Jackett über der Hühnerbrust. In seinen kleinen weißen Patschehändchen mit korrekt manikürten Nägeln hält das Herrlein ein Handy-Phon. Und dröhnt und trötet mit einer bestimmenden Stimme im lauten Ton:

Frau Meier-Lüdenscheid, ich befinde mich gerade in der U-Bahn. Ja ich meine… Ja, ich habe… Ja, ich werde…“ usw. usw.

Du vernimmst verwundert das Geschrei, während Du geneigt bist, dich darob zu ärgern, alldieweil die Konzentration auf deine Zeitungslektüre gestört ist. Da ertönt hinter dir eine (noch) lautere Frauenstimme, die das Herrlein anherrscht.

Junger Mann. Sabbeln se nich so dumm. Auch wenn se im Dunklen fahrn: Hier sind se in der S-Bahn. Und nicht in der U-Bahn.

Darum merke dir:

Eins:          „Berliner. Schnauze. Für Hund, Halter und alle toleranten Mitbürger“, charmantiert gekonnt eine Berliner Bürgerinitiative.

Zwei:          Adelheid sieht und hört alles.