Author Archives: Adelheid Schardt

Deutsch. Sooo…

Da stehst Du mit deinem Hund, den du Hermann wie den Göring rufst, auf dem Fußballplatz und siehst nicht des Köters Scheiße, sondern was? Genau: Ein Riesenplakat, auf dem ein hündisch blickender Dackel spricht: „Das ist sooo deutsch„.

Geworben wie geschrieben von der Deutschen Bundesregierung. Die erklärt dir, weil du ja sooo blöd und sooo begriffsstutzig bist in der Unterzeile: „Deutschland ist kein Dackel, aber ganz schön eigensinnig“.

Soll das ein Witz sein? Wollen die dich verarschen? Warum ist ein deutsch aussehender Dackel nicht-deutsch? Und warum ist Deutschland „ganz schön eigensinnig“? Also nicht halb-, sondern ganz schön-. Und warum kommen weiße Socken in Birkenstocksandalen aus „Deutschland, das Land der Socken- und Sandalenträger“? Dann gibt es da noch den Gartenzwerg, den Stau auf der Autobahn, den Rhein und und. Alles „sooo deutsch“?

Ja, da staunste: Wie der leitende Ministerialrat Müller-Müdenscheid in seinem grünen Jägerhöschen auf seine Schenkel klopfend „Sooo deutsch. Das ist zum Schreien“, brüllt. Genau: Der Staatsdiener, der den Vorsitz in der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ innehat. Das stimmt. Ich schwör‘.

Wenn also der deutsche Amtsträger einmal in seinem Arbeitsleben gaaanz witzig und gaaanz kreativ sein will, kommt „Das ist sooo deutsch“ mit 7,8 Millionen EURO Kosten raus.

Deutsche sind tüchtig; keine Frage: Zum Beispiel, wenn sie klammheimlich ein rechtsradikales Netzwerk namens „NSU“, installieren, das dann andere Deutsche – Achtung, deutsche Intelligenz -„Dönermorde“ nennen. Oder sich demokratisch rühmen, weil eine rassistische Partei DER Oppositionsführer sein darf. Oder sich in der Tram über lauthals sprechende Laute aufregen. Oder dem Schiedsrichter aufm Platz eins in die Fresse hauen; genauso wie den Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern.

Das alles können Deutsche superb. Nur lachen kann die Spezi nicht, weshalb es auch ein „Deutsches Institut für Humor“ braucht. Das bietet „Kommunikationswahnsinn in bezaubernden Impulsvorträgen“ an. Was, wie wir inzwischen wissen, den treuen deutschen Staatsdiener außerordentlich inspiriert.

Da geht er dann hin, der Deutsche. Will ganz lustig sein, als Biene Maja oder und als Putzfrau-Gretl bei der „Saarländischen Narrenshow“. Da macht sich der politische Mandatsträger zur Witzfigur. Nicht ohne zuvor Lachyoga-Seminare besucht und sich auf den „Tag des dröhnenden Lachens“ am 24. Januar 2020 mit verkniffenen Mundwinkeln vorbereitet zu haben. Bis es soweit ist, zieht der Sooo-Deutsche gewaltig über andere vom Leder. Guck: https://deutschland-ist-eins-vieles.de/

Darum merke: Es kennzeichnet die Deutschen, dass bei ihnen die Frage „Was ist deutsch“? niemals ausstirbt (Nietzsche).

Klima. Streik.

Stell’ dir vor, du musst, was du nicht willst, den Führerschein für den E-Roller machen. Da sitzt du beim TÜV SÜD in einem Kabuff. Kaust auf dem Tablett-Stift rum und rätselst: Welches der hier stehenden Worte ist, weil unlogisch, Schwachsinn:

  • Klimaschutz
  • Klimaanlage
  • Klimaabgabe
  • Klimastreik
  • Klima- und Gebäudetechnik

Hah: Ich sehe, dir entgeht die Geistesschwäche des gesuchten Wortes: Klimastreik. Dummkopf du. Ein Streik hat immer mit einem Streit zwischen Kapital und Arbeit zu tun. Mit Forderungen und Tarifverhandlungen. Und du bestreikst wahrheitlich das Klima? Was soll es tun? Dir mehr Luft verschaffen? An den Verhandlungstisch zurückkehren? Panne im Kopf? Oder was?

Versteh’ mich nicht falsch: Greta Great ist famos. Mit allem, was sie losgetreten und ins Rollen gebracht hat. Aber als sie noch ganz still und ganz allein vor einem Jahr ihren Kartondeckel in die Luft hielt, da stand auf diesem „Skolstrejk For Klimatet“. Ganz richtig.

Und du Depp, du Nichtswisser strickst daraus ein neues Preußenwort mit dem du in die Schlacht ziehst. Lies selbst:

  • Das ist mit Abstand unser größter #Klimastreik jemals.
  • Eine erfolgreiche globale Klimastreik-Woche!
  • #Klimastreik am 20. September bei Dir vor Ort!
  • (…) Rufen wir alle Menschen zu einem weltweiten Klimastreik auf.
  • Bilder und Eindrücke vom größten Klimastreik aller Zeiten
  • https://www.klima-streik.org/

Was für ein geistiges Klima der Unlogik. Entweder du schwänzt die Schule, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Oder du legst die Arbeit nieder, um, sagen wir mal, gegen den Kohleabbau auf die Straße zu gehen. Aber Klimastreik ist hohle Birne. Heiße Luft.

Dabei bist du von den ganzen Klima-, Rassismus-, Sexismus-, Flüchtlings-, Wohnungsnotaktionen usw. usw. so fix und alle, gestresst und erschöpft, dass du gar nicht mehr mitkriegst, dass das Klima zwischen den Menschen UND zwischen den Staaten immer kälter wird.

Da hat Trump den Abrüstungs-, INF-Vertrag gekündigt. Und schon legen alle Länder wieder die Hand an die Pistole, heißt rüsten erneut atomar auf. Militärische Drohnen, Interkontinentalraketen, biologische und chemische Waffen, zunehmende Selbstbewaffnung wie ganze Bürgerwehren nehmen dir und deinen Kindern jegliche Luft zum Atmen.

Und du schreist „Klimastreik“, statt, das wäre doch mal wieder was: „Frieden schaffen ohne Waffen“.

 

Tierisch

Gib es zu, ich kenne dich: Wann immer der Tierschutz ruft, stehst du am Unterbarmer Bahnhof in deinem Wald- und Wiesen-T-Shirt. Du also in so einem Teil. Rufend. Schreiend. Und zack bleiben die Leute stehen. Oder machen sich hurtig vom Acker, weil sie ein schlechtes Gewissen ob ihres proppevollen Mundes mit dem Burger Kaiser haben. Respekt. Respekt. Du hast was von einem hohen Tier.

Genau wie der amerikanische Rüpel mit den gelb gefärbten Haarschnipseln über dem Hirn. Ebenso der italienische Dauer-Verlobte, Kuh-Hüter und TausendHassa. Oder der zähnefletschende Bello in Ungarn. Und ganz on top der ungezügelte, nackte Russe auf dem hohen Ross. So was macht dich tierisch an. Das sind alles tolle Hechte; wilde Tiere. Männer die. Wohingegen die preußische „Mutti“, „das Mädchen“, nur handzahm ist.

Ebenso die  neue EU-Kommissionspräsidentin. Die stoisch lächelnde Blondine ist beileibe keine blöde Gans. Genauso wenig wie die Klofrau aus dem Saarland, die via Frauentausch jetzt Herrscherin der deutschen Truppe ist. Solche Menschen, Mann muss es sagen dürfen, fehlt das Animalische. Oder kannst du dir die Annegret mit neckischen Dekolleté neben einem, sagen wir mal, Lama vorstellen?

Wen interessierts. Dir geht der feminisierte Kuhhandel in Berlin und Brüssel am Allerwertesten vorbei. Gerade wo „die da oben“ drohen Sonntags deinen Späti dicht zu machen. Das wirst du zum Elch. Gründest und betreibst Läden wie diese hier:

  • Tierisch gut (Das Futterhaus)
  • Tierisch engagiert (Fressnapf)
  • Tierisch tierisch (MDR-Tiermagazin)
  • Tierisch Urban (ARTE)
  • Tierisch anders. Tierisch mild. (Camel)
  • Ein tierischer Laden (Futterfreund)
  • Tierisch gute News (Futterpost)
  • Seniorpfoten (Hundeeis)

Usw. usw.

Und weil du kleinbürgerliche, arme Sau auch ein tierisch kleiner Philosoph bist, schreibst du ein Buch. Und dann noch eins und noch eins. Jedes einzelne trieft von Tierliebe. Das ist en vogue, weil unpolitisch. Und keine Politdressur. Schau, was du alles fabrizierst:

  • Was wir von (nicht „vom“) Vögeln lernen können
  • Die Mäusestrategie
  • Die Tyrannei des Schmetterlings
  • Fische, die auf Bäume klettern
  • Das Labyrinth des Fauns
  • Der Bücherdrache

Usw. usw.

Dazu der aktuelle Bestseller „Was Tiere WIRKLICH wollen“. Womit Viecher und und nicht die „hohen Tiere“ im Berliner- und Brüssel-Kuhhandel gemeint sind. Ich glaub mein Schwein pfeift.

PS.       Briefauszug an die, der das GenderbeauftragteN_x: „Da in obiger Kolumne nur ein einziges Mal eine Gans auftaucht, ansonsten alles tierisch männlich ist, ersuche ich dringend um eine gendergerechte Tiersprache. Schwein_In. Hundx. Oder Kater*In. Nur mal so als Beispiel…“

PPS.   Saugute  Kolumnen entstammen beileibe NICHT Adelheid’s innerem Schweinehund.

Bewertung. Echt jetzt?

Da stehst du auf; wie alle Tage. Drinnen trübes Licht. Draußen trübe Sicht; alles grau in grau. Da tust du deine Pflicht; wie alle Tage: Auf dem Amt, der Baustelle oder der Pflegestation, was allesamt das Gleiche ist. Machst und tust. Werkelst und wurstelst. Dafür kein Bitte. Und kein Danke.

Das nagt an dir wie Mäusezähnchen; alle Tage ein bisschen mehr. Dann machst du das Maul auf. Haust rein, dass die Fetzen, ähm die Sterne, fliegen.

Finger-Show: Erst mal bei „jameda“. Weil dein Schnupfen deinem Arzt egal ist: Sternabzug. Dann zu „kununu“. Punktabzug. „Schnösel, die“. Weiter zu „hotelbewertung“. Alles nicht das Gelbe vom Ei. Drüben bei „yelp“ noch den Abschleppdienst moniert, und für heute erst mal Schluss. So eine Bewertung tut gut. So eine Bewertung macht Mut. Sich nichts gefallen lassen. Endlich mal was Großes leisten; kleiner Mann, du.

Bewertung um Bewertung. KlickKlack. KlickKlack. Stern buy Stern. Rumtata und Dudeldumm. Deine Bewertung ist, was Unternehmen fürchten. Ein schlechter Stern-Score und Tschüss. Ergo kreuzt der „WEB REPUTATION MANAGER“ mit „review meta“ oder „yourreputation“ auf. Manchmal auch Thomas F. Rechtsanwalt und REPUTATIONS-EXPERTE FÜR DEUTSCHLAND. Der verspricht gut zu machen, was deine miesen Sterne Schlimmes taten. Was dich nicht kümmert…

Du bist unangetastet; gottgleich. Aber auch Mensch. Darum willst du für deinen ganzen Bewertungsmüll Kohle sehen. Schließlich bist du echt jetzt. Und kein Fake, und kein Fake-Bewerter. Darum gehst du zu „machdudas“. „11880. Da werden Sie geholfen“. Oder „echte-bewertungen“. Die da werben….

  • Aktivieren Sie Ihre Sterne.
  • Einfach. Echt. Bewerten.
  • Keine Macht den Fakes!

Und da setzt du dann die Worte ein, die ich bei denen abgeschrieben habe:

„Ich bin Sekretärin von Beruf und bin Texterin nebenberuflich. Nebenbei schreibe ich auch Krimirezensionen. Daher würde ich Sie gern unterstützen“.

Oder:

Sehr geehrter Auftraggeber, gerne würde ich und mein Team den Auftrag übernehmen. Welchen Wortpreis hatten Sie sich vorgestellt? Täglich können wir Ihnen derzeit bis zu 10.000 Wörter liefern. Bei Interesse würde ich mich über eine PN sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen, Wilhelm, Berlin-Mitte„.

Und bei alledem, was du da tust, vergisst du ganz und gar Dein Bauchgefühl. Mal was ausprobieren. Mal auf gut Glück studieren.  Mal sich treiben lassen. Mal sich überraschen lassen. Stattdessen starrst du auf die Sterne, was dem Vollmond Schnuppe ist.

Berliner. Schnauze.

Pass ma uff, Keule.

S-Bhf. Oranienburger Str. Treppe runter. Die Bahn rauscht ein. Du fährst deine Ellenbogen raus. Bahnst dir einen Weg durch das stehende, sitzende, lärmende, Döner-futternde, Touristen-App-studierende Volk. Erspähst einen Sitzplatz, der hier eine rare Angelegenheit ist. Platzierst deinen Allerwertesten. Schlägst deine Zeitung auf. Da passiert es, da passiert ER:

Ein Herrlein, dir gegenüber auf dem Sitz. Behübscht mit spitzen Schnabelschühchen. Engem Karottenhöschen mit schmalen Jackett über der Hühnerbrust. In seinen kleinen weißen Patschehändchen mit korrekt manikürten Nägeln hält das Herrlein ein Handy-Phon. Und dröhnt und trötet mit einer bestimmenden Stimme im lauten Ton:

Frau Meier-Lüdenscheid, ich befinde mich gerade in der U-Bahn. Ja ich meine… Ja, ich habe… Ja, ich werde…“ usw. usw.

Du vernimmst verwundert das Geschrei, während Du geneigt bist, dich darob zu ärgern, alldieweil die Konzentration auf deine Zeitungslektüre gestört ist. Da ertönt hinter dir eine (noch) lautere Frauenstimme, die das Herrlein anherrscht.

Junger Mann. Sabbeln se nich so dumm. Auch wenn se im Dunklen fahrn: Hier sind se in der S-Bahn. Und nicht in der U-Bahn.

Darum merke dir:

Eins:          „Berliner. Schnauze. Für Hund, Halter und alle toleranten Mitbürger“, charmantiert gekonnt eine Berliner Bürgerinitiative.

Zwei:          Adelheid sieht und hört alles.

Buzz. Word.

Ja, da FRAGST DU DICH: Was ist denn Das? Die Der Buzzword? Schreiben irgendwelche Deppen ihr Bussi-Busserl-Küsschen jetzt mit „z“? Oder was? Bist du elendig dumm wie die Bussi-Bussi-Gesellschaft?

Buzzwords, wir schreiben und sprechen selbstredend word-lich Englisch , sind hochgestochen klingende Nichts: Geschwafel, Blabla, Wischiwaschi: Silben, Wörter, die dir um die Ohren rauschen, krachen, donnern. Davon wirst du ganz irre, zweifelst an dir. Konsultierst einen Psychiater, weil dir der Unterschied zwischen Remmidemmi und Rambazamba nicht einleuchten will. Du aber, der du ein Abgeordneter aus Untersprockhövel, eine autofahrende Bischöfin oder was-weiß-ich bist, erstarrst beim Vernehmen eines Buzzword zur Salzsäule wie Lots Frau in der Bibel. Und nimmst an, Gott habe daselbst zu dir gesprochen.

Womit klar ist: Auch wenn du mit einem göttlichen IQ gesegnet bist, einen BWQ, was ein „Buzzword-Quotient“ ist, wirst du nie erreichen. Da kannst du noch soviel „Buzzwort-Bingo“ spielen: Plöd bleibt blöd, wer kein Werberfuzzi ist. Glaubst du nicht? Dann lies und sinnier’ mal:

Micro Targeting… folgt auf „Targeting“, „Re-Targeting“, „Geo-Targeting“ und „Re-Re-Targeting“ mit „Mikro-Influencern“.

Digital Evangelist… was der einstige „Markenbotschafter“, wie der vorm Apple Store in-der-langen Schlange-Stehende war.

Content Seeding … funktioniert wie Inkontinenz oder Sedativa, für die du wahlweise eine Windel, einen Doc oder beides brauchst; jetzt mit Verlinkung im Netz.

Influenzer Marketing … keine Inflation. Keine Grippe. Keine Epidemie. Sondern Werbung von und für Toiletten-Helden.

Blockchain… weit entfernt vom „schwarzen Block“. Auch keine Handschellen. Maulschellen sowieso nicht. Eher schon kryptisch. Datenbank und so. Kettenbrief-Artig ohne Ende.

SWIPE File … nicht besonders „schlüpfrig“. Auch kein „Schlüpper“. „Society“ sowieso nicht. Aber im Prinzip die gute alte „Zettelwirtschaft“.

KIRLO… funktioniert immer. Und überall. Im Zirkus wie im Büro. An der Tanke wie im Auswärtigen Ausschuss. Wenn irgendwas hier & jetzt erreicht werden muss, wirfst du ein Phantasiewort, sagen wir KIRLO in die Runde. Nickst mit dem Kinn und sagst „das passt perfekt zu meinen KIRLO. Oder: „auf KIRLO können wir nicht verzichten“. Oder: „wir sollten KIRLO als Key Result festhalten“. Das klingt ungemein wichtig, und vor allem: potent. So wie Donald Trump und:

  • Buzz me in                        Buzz off                         Buzz Cola Energy Drink               Buzz Bin#
  • Protein. Buzz Feel the progress!
  • BuzzFeed                                                                   The Bench Buzz

Darum merke dir. Erstens: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er wird mit einem Buzzword abgespeist. Zweitens: Veni. Vidi. Wischiwaschi. Buzzword.

Deal with it.

Des Deutschen an und für sich lieb gewonnenes Wort lautet seit geraumer Zeit: Großartig. Damit kommentiert der Mensch beinahe alles. Die Entscheidung im Fall Maaßen? Großartig. Der Straßenbelag? Großartig. Die ungelegten Eier? Großartig. Alles groß. Alles artig. Alles erlaubt. Alles deutsch.

So betreibst du auch deine Geschäfte. Haust dabei den einen oder anderen übers Ohr. Großartig für dich. Nepp oder Schmu für den Beschissenen, was der Leidtragende ist. Weil du das so nicht stehen lassen willst, und vielleicht auch gerade in der Volkshochschule dein Englisch aufhübschst, nimmst du neuerdings das Wörtchen DEAL für alles und jeden in den Mund; klingt doch DEAL allemal besser wie der abgestaubte „Handschlag“ oder das alte „Abgemacht“.

Im Positiven raffiniert, im Negativen dubios, gilt ein DEAL immer noch dem DEALER gleich: schmutzig, schmuddelig. Weshalb dir die Werbung bei deinen ominösen Deals hilft: sie schön schreibt und schön (ver-) dreht. Guck:

  • dealgott
  • dealbunny
  • mydealz
  • ProfitDeal
  • DealDoktor („Schnäppchen Blog mit Doktortitel“)

Weil das Spiel mit dir ewiglich so funktioniert, ist seit geraumer Zeit der GREAT DEAL in den globalen Sprachgebrauch von Politik und Journalismus eingezogen. Den weitaus vernehmbaren Anfang hörst und liest du vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der wälzt sich einem Mastschwein gleich, rülpsend in einem „great deal“ nach dem anderen, nachdem er schon zuvor (1987) in „The Art of Deal“ (D. Trump) damit schriftstellerisch experimentiert hat.

Diesseits des großen Teiches schwafelt die, sich in Sachen „DEAL“ eher zurückhaltende, Politik neuerdings von:

  • Idlib-Deal
  • Türkei-Deal
  • Flüchtlingsdeal
  • Rüstungsdeal

Und du? Gewöhnst dich. An solcherart Politik-Deal-Sprech. An gewöhnliche, weil billige Deals, die sich jetzt in der Politik breit machen. Und ehe du auch nur einen Furz denken kannst, ist das politische Handeln zu einem „schmierigen, abgekarteten Geschäft“ verkommen.

Diese  wunderbare Welt voller Deals  schluckst du. Mit einem Kaffee-To-go. Schwipp. Schwapp. Rein und weg. Ohne zu fragen. Ohne nachzudenken. So auch die Meldungen des heutigen Tages, die sich den Deal in die Hand geben.

  • Fliegt Nahles der Maaßen-Deal um die Ohren? (BILD; 19.09.2018)
  • Seehofers und Merkels Maaßen-Deal (MERKUR, 19.09.2018)
  • Nach Maaßen-Deal… (FOCUS 19.09.2019)
  • Fauler Maaßen-Deal (BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG, 19.09.2018)
  • Heftige Kritik in der SPD an Maaßen-Deal (BILD, 19.09.2018
  • Fliegt Nahles der Maaßen-Deal um die Ohren? (B.Z., 19.09.2018)

Deal with it: Die GROßARTIGE Beförderung des amtsenthobenen Hans Georg Maaßen ist über alle Maßen ein Tritt in den Arsch der Demokratie. Weil so ein „Postenschacher“ zwar einem Deal gemäß, eines politischen Parlamentarismus aber unwürdig ist, siehst du rot, weil eben auch Demokraten rot sehen können. Und siehe da:

Fünf Tage später ist der „Maaßen-Deal vom Tisch“ (BILD, MERKUR, SÜDDEUTSCHE am 25.09.2018). Was immer noch ein (schmieriger) Deal und keine klare Ansage ist. Heißt: Der Mann hat weder (von sich aus) abgedankt, noch ist er via eines Machtwortes entlassen. Das sieht die Deal-Politik in einer Deal-Demokratie nicht (mehr) vor. Nein, der Mann ist nunmehr „Sonderberater im Rang eines Abteilungsleiters“, der mit Rang und Namen bombastischer als simpler „Staatssekretär“ daher kommt. Gut, dass du, der du die „Stimme des Volkes“ bist, die solche erhoben hast; kleiner Dealer du.

 

Sprache ist eine Waffe. (Tucholsky)

Wie wahr, wie wahrhaftig: Worte können dich erschlagen. Verletzen. Fertigmachen. Ätzend sein. Dein Gehirn vergiften. Dein Denken töten. Dich sprachlos, mundtot machen.

Wo Menschen sterblich sind, sind Worte nicht vergänglich. Bleiben hängen. Prägen sich ein. Erzeugen Assoziationen. Bei Zitrone denkst du: „Uh, wie sauer“. Und bei „Flüchtlingswelle“ steht dir „das Wasser bis zum Hals“. Solche Bilder verselbstständigen sich, wenn du dein Denken nicht dagegen hältst. Alles und alle sind da gleich: schlecht, heimtückisch, kriminell oder sonstiges PillePalle.

Du kennst das ja, wenn einer sich im Ton vergreift. Dich „Bitch“ oder „Lattenheinrich“ nennt. Einen Spruch von sich gibt, wo du stutzt und denkst: Hat der einen an der Waffel? Wo der Ton die Musik-, macht das Wort das Denken. Und das geht dir seit geraumer Zeit ab.

Wo eben noch Freiheit. Gerechtigkeit. Vielfalt. Neugier, oder oder ganz selbstverständlich dir entsprachen, schlägst du nun mit Worten um dich. Führst voller Hass rhetorische Feldzüge ohne Sinn und Verstand:

MIT Anführungszeichen von rechts außen

  • „Sogenannte Flüchtlinge“
  • „Angebliche Flüchtlinge“
  • „Ausgeweiteter Schutz“
  • „Durchgreifen“

OHNE Anführungszeichen von Rechtspopulisten

  • Mahnmal der Schande
  • Linksversifft
  • Schmarotzer
  • Nur ein Vogelgeschiss
  • Wir werden sie (Merkel) jagen

Ohne Anführungszeichen von demokratischen Parteien, die vor lauter Angst auf Platz 2 zu landen, das nachplappern, was Platz 1 rechts von ihnen hergibt.

  • Dönermorde
  • Rückstau, Rückführung
  • Asyltourismus
  • Ankerzentren
  • Obergrenzen
  • Aggressive Anti-Abschiebe-Industrie

Alles verwirrend. Auch für dich, der du kein Spezialist für Sprache bist. Wie für mich, die ich nichts von Rohrleitungsbau oder sonst was verstehe. Doch weiß ich eins:

Nehmt eure Sprache ernst! (F. Nietzsche).

Leere Worte. Teuer Geld.

Mit dem alles-in-einem-Verb-Substantiv-Adjektiv HYGGE geht die Müsli-Yoga-Kuschel-Kur los: „Das Einfach glücklich sein“ und „Das Gutsein“. Damit hyggst du dich hyggelig, was die Kohle hergibt.

Erst der Lesestoff:

  • „Hygge Wohlfühlglück“.
  • „Hygge – Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“.
  •  „Hygge“, die Zeitschrift.

Dann Schlag-auf-Schlag:

  • Die Geschenkschachtel „Hygge Paper Poetry“.
  • Das „HYGGE INTERIØR“.
  • „Lulu Guldsmeden“, Deutschlands erstes „Hygge Hotel“.
  • „Hygge Style aus luxuriösen und kuscheligen Materialien“.

Weiter, weiter schreit die „Wohlfühl-Industrie“, und suggeriert dir ein Bedürfnis nach „Selbstoptimierung“. Was auch immer das ist, du ahnst: Ohne den ganzen Simsalabim bist du außen vor. Ein Niemand. Ein Unglücksrabe. Ein Miesepeter.

Ergo räum‘ die Konten ab und kauf, wonach es den Turbo-Kapitalismus verlangt:

Das in 27 Sprachen übersetzte Buch „Miracle Morning“, was deine morgendlichen Kniebeugen aufpeppt.

Zeichenschablonen, Aufkleber, Punktelisten und und für Bullet-Journaliling oder „Scrapbooking“, die dein ordinäres Tagebuch aufblähen bis es pupt. Dazu statt der ollen Kugelschreiber noble (Bunt-) Stifte von Faber–Castell, namens „Memory Craft“ .

Workshops und Seminare zu „Digital Detox“, was „Mach mal (Handy-) Pause“ bedeutet. Für teuer Geld, weil du offensichtlich zu blöd zum Schweigen bist.

Helfershelfer, die sich Magic Cleaning“ oder „Decluttering“  nennen, damit du  zu Muttis Freude endlich deinen Scheiß aufräumst.

Down-Sitting“ mit und ohne Spray. Womit du zur Gewinnmaximierung auf deinem Bürostühlchen wie ein Hund „Sitz“ machst.

Kostspielige Sortimente namens „Micro Massaging“, die einst als „Bitte kratz mich mal am Rücken“ geschenkt waren.

Solcherart Tätigkeiten hast du dein Leben lang allein und ohne irgendeine Geldausgabe ausgeführt. Jetzt aber musst du dafür blechen, weil leere Unworte Ehrenrechte genießen.

Fühlst du die Kranksinnigkeit? Die Sprachwidrigkeit? Die Abgedroschenheit? Die aufgeblasenen Worte, die dein Innerstes eintrüben, wenn du nicht auf der Stelle den ganzen Buch-, Produkte-, Seminar- und und- Kram konsumierst?

Merke 1: Protzen. Täuschen. Blenden. Worte, die keine Sau versteht, schinden den meisten Eindruck.

Merke 2: „Wenn ich zwischen Hydropsie und Wassersucht die Wahl habe, bin ich immer für Hydropsie. Wassersucht hat so etwas kolossal Anschauliches“. (Theodor Fontane).

 

 

 

 

 

 

Achtsamkeit.

Hab-Acht. Achtung. Obacht. Vorsicht. Hier kommt mit Ommm: Die ACHTSAMKeit aus der Familie der Nomen est omen: -keit, -heit und -ung. Allemal gewaltiger, größer und potenter als das kleine „achtsam“-Adjektiv. Warum das Nomen auch in aller Munde wie Geldbeutel ist.

Ganz Ohr ohne taub zu sein. Konzentriertes Augenmerk auf das Alter Ego. Gründlich in der Sache. Hauptsache und keine Nebensache. Lebensfreude aus dem hohlen Bauch heraus.

Alles fließt. Alles rotzt. Das bist du: Arbeitsam. Alert. Achtsam. Still gestanden. Stramm gestanden. Der preußische Achtsamkeitshype ist en vogue. Mit acht Ausbildungsinstituten und mehr als 1000 Achtsamkeitslehrer in Deutschland geht das so:

  • Stress?                 Achtsamkeitsübung Nr. 1         „Bekanntes neu entdecken“.
  • Mobbing?            Achtsamkeitsübung Nr. 7         „Sammle Steine“.
  • Fuß-OP?              Achtsamkeitsübung Nr. 3          „Runter vom Gas “.
  • Augen trüb?        Achtsamkeitsübung Nr. 14       „Blind in vertrauter Umgebung“.

„In 30 Tagen zu einem achtsameren Leben“. Bezahlt dir Deine Gewerkschaft. Oder Dein Chef; damit du Teil einer „achtsamen Bewegung“ oder achtsamen Führung“ (je nach Lesart) bist. Oder Deine Krankenkasse; damit du keine Krankmeldung (und damit Verluste) für die Firma einfährst. Oder deine Oma in Untersprockhövel; damit du sie mal besuchst.

Da sagt auch die Wirtschaft nicht nein und empfiehlt: Führen Sie ein Achtsamkeits-Tagebuch“. Für „Vichy“ und seine Produkte „Slow Age“. Dabei liest sich achtsame Werbung so:

  • Achtsam anders leben.
  • Achtsam mit dem Rad fahren.
  • Das Einmaleins der Achtsamkeit.
  • Achtsamkeitsakademie.
  • Menschen mit Demenz achtsam begleiten.
  • Achtsamkeitstag am 27. Oktober 2018.

Soweit. Soviel Zu viel:

  • Du findest keine bezahlbare Wohnung? Keinen Pflegeplatz?
  • Keine Kita? Keine gerechte Bezahlung?
  • Rechte Hetze? Flüchtlings-Hatz?
  • Rassisten? Nazis? Homophobie?

Was machst du da? Achtsamkeits-Meditation? Hilft das? Gegen Diktaturen? Autokraten? Kriege und Verfolgung? Aufrüstung? Waffenexporte? Hunger? Elend? Klimakatastrophen?

Darum sage ich dir sänftiglich wie sanft: „Des Geistes Kind sind Modeworte, die achtsam modern.