Gerede; eigentlich.

„Was macht die Arbeit?“ Wohin geht es in Urlaub? Wohnt ihr noch in Untersprockhövel? Alltagsfragen. Normale Fragen? Ich sage Nein! Weil zwischen den kleinen belanglos, ausgesprochenen Worten ein großes schweigsames Füllwort in der Luft schwebt: Das „eigentlich“ – dass das Eigentliche ist. Das sprechen wir nicht aus, wenn wir fragen. Wobei wir erwarten, nein inständig hoffen, dass der Angesprochene antwortet „Wir machen Urlaub in Griechenland, aber – eigentlich…“ Hah, auf eben diesen Halbsatz lauern wir hinterrücks und doppelzüngig. Den scannen und zoomen wir wie ein Zombie über die Hirne und Zück-die-Karten-Hände der Konsumenten.

Komm schon. Sprich das Eigentliche aus. Sag, dass du dir Obersprockhövel
eigentlich nicht leisten kannst“. Dass du wie die Schleckerfrauen „eigentlich abgewickelt wirst“. Dass du „eigentlich“ getrennt lebst. Stell dich nicht so an. Sag nicht ja. Sag nicht nein, wenn ich dich frage. Gib mir „das eigentlich“. Ich brenne drauf. Ich lechze danach. Du willst wissen, warum? Bitte sehr: dein „eigentlich“ unterstreicht mein Haben: Haus und Baum. Auto und Frau. Damit unterscheide ich mich von dir: mit Sicherheit und nicht „eigentlich“. Damit hebe ich ab – uneigentlich.

„Eigentlich“, das Füllwort dieser Kolumne, ist nicht SEO-tauglich. Womit du,
verdammt noch mal. schon wieder besser da stehst als ich.