Hash Tag

Das Ding mit dem Symbol # und dem „tag“ ist omnipotent. Im Netz. In der BILD-in-der-Hand. Auf dem Toilettenpapier. Hasch-Mich’s ohne Ende.

Ohne Lattenkreuz scheint das geschriebene Wort nackig, teigig, läppisch. Der Hashtag krallt sich jeden deiner Buchstaben; was du auch liest, was du auch schreibst. Das Teil # ist allmächtig. Darum musst du tun, wozu es dich zwingend zwingt:

Eine „Liebe“ ohne # ist keine Liebe. Ein „Hühnerauge“ ohne # nicht existent. Eine SPD ohne #spderneuern unbrauchbar. Also drück immerzu und immerfort die Raute-Taste, bevor du einen Furz von Buchstaben setzt.

Wo Männer Schweine-, sind Frauen mit #aufschrei und #metoo auf dem Vormarsch. Wobei ohne Frage auch #sexybody eine Ferkelei ist. Was natürlich zensiert wird. Hingegen sind rassistische, rechtsradikale, homophobe, antisemitische etc. Hashtags nicht bahbah. Die darf jede Sau absondern. Nur wer mit #NippelstattHetze demonstriert, geht hops.  Hinfort damit. Da kennt der Zensor kein demokratisches Erbarmen.

Betriebswirtschaftlich dumm läuft das #Hasch-Mich-Spiel, wenn du Follower brauchst. Und zwar tausende ohne Ende. Weil die Reichweite generieren. Von dem was du verkaufen willst. Deine Meinung. Deine Liebe. Deine Niere. Und das zack-zack. Weil: Ein Hasch-Mich, der nicht von der ersten Sekunde eine „Interaktionsrate“ erzielt, macht als Unsinn – Sinn.

Darum ist es auch Usus, manche Wörter in Großbuchstaben, aber ohne Vokale zu schreiben. Für „Legende“ steht dann zum Beispiel der Hashtag #LGND.  Getoppt hat den Schwachsinn die schwächelnde CDU. So vernahm das blöde wie plöde Wahlvolk im Bundestagswahlkampf 2017  Stunde um Stunde den seltsamen Buchstabensalat #FEDIDWGUGL („Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“.

Darum merke:   #Der #Zensor #verfügt #über #Beschränktheit, #wo #wir #Beschränkung #brauchen.