Sprache ist eine Waffe. (Tucholsky)

Wie wahr, wie wahrhaftig: Worte können dich erschlagen. Verletzen. Fertigmachen. Ätzend sein. Dein Gehirn vergiften. Dein Denken töten. Dich sprachlos, mundtot machen.

Wo Menschen sterblich sind, sind Worte nicht vergänglich. Bleiben hängen. Prägen sich ein. Erzeugen Assoziationen. Bei Zitrone denkst du: „Uh, wie sauer“. Und bei „Flüchtlingswelle“ steht dir „das Wasser bis zum Hals“. Solche Bilder verselbstständigen sich, wenn du dein Denken nicht dagegen hältst. Alles und alle sind da gleich: schlecht, heimtückisch, kriminell oder sonstiges PillePalle.

Du kennst das ja, wenn einer sich im Ton vergreift. Dich „Bitch“ oder „Lattenheinrich“ nennt. Einen Spruch von sich gibt, wo du stutzt und denkst: Hat der einen an der Waffel? Wo der Ton die Musik-, macht das Wort das Denken. Und das geht dir seit geraumer Zeit ab.

Wo eben noch Freiheit. Gerechtigkeit. Vielfalt. Neugier, oder oder ganz selbstverständlich dir entsprachen, schlägst du nun mit Worten um dich. Führst voller Hass rhetorische Feldzüge ohne Sinn und Verstand:

MIT Anführungszeichen von rechts außen

  • „Sogenannte Flüchtlinge“
  • „Angebliche Flüchtlinge“
  • „Ausgeweiteter Schutz“
  • „Durchgreifen“

OHNE Anführungszeichen von Rechtspopulisten

  • Mahnmal der Schande
  • Linksversifft
  • Schmarotzer
  • Nur ein Vogelgeschiss
  • Wir werden sie (Merkel) jagen

Ohne Anführungszeichen von demokratischen Parteien, die vor lauter Angst auf Platz 2 zu landen, das nachplappern, was Platz 1 rechts von ihnen hergibt.

  • Dönermorde
  • Rückstau, Rückführung
  • Asyltourismus
  • Ankerzentren
  • Obergrenzen
  • Aggressive Anti-Abschiebe-Industrie

Alles verwirrend. Auch für dich, der du kein Spezialist für Sprache bist. Wie für mich, die ich nichts von Rohrleitungsbau oder sonst was verstehe. Doch weiß ich eins:

Nehmt eure Sprache ernst! (F. Nietzsche).