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Corona. Korona.

Mein kleiner Schlaumeier unter den großen Dummköpfen. Du bist gewitzt und auch (halbwegs) gebildet. Du kannst differenzieren zwischen Fake und Fakt. Zwischen „C“ und „K“. Corona und Korona. Du bist ja nicht blöd: Du Mediamarkt.

Darum hast du deine zuckersüße Tochter auch „Korona“ genannt. Lange vor diesem neuerdings weltweit grassierendem bösen Wort. Dabei war es deine stumpfsinnig-geistreiche Gattin, die auf der Schreibweise mit dem „K“ bestand. Denn natürlich schreibt sich „Corona“ nach der „Heiligen Corona“ mit einem „C“, so wie die frühchristliche Märtyrin.

Auf ihren „Korona-Namen“ ist deine Kleine, die mit ihren heute sechs Jahren ja schon richtig groß ist, mega-stolz; sagst du. Darum widmest du dich, vor Vergnügen glucksend und quietschend den vorgeblichen „Witzen“ über Corona-Bier. Böser Bube du: dein Katholiken-Gott sieht alles. Gut, dass da die Welt im Pfarrdorf Korona, was im bayrischen Passau liegt, noch glaubhaft in Ordnung ist.

In Berlin hingegen kämpft Lothar Schulz von „Korona-Reisen“ ums nackte Überleben. Wer möchte schon mit „Korona-Reisen“, sagen wir mal auf einem Kreuzfahrtschiff, Corona erben?  Da stopfen wir uns doch lieber „Fragaria Korona“, was eine Erdbeere ist, ins Maul.

Und dann dein Onkel Konrad. Der hatte bis 1996 einen „Toyota Corona“, was heute die Autobauer in Wolfsburg auf eine leichtfüßige Idee bringt. Mit dem Hashtag #wirfüreuch biedert Volkswagen in der Corona-Krise allen „Superhelden“ 10.000 (zu wenig) Autos an. Einfach beim Händler melden. Und zack steht die Kiste vor der Tür vom, sagen wir mal,  „systemrelevanten Spargelstecher-Chefe“ Josef Jacob in Brandenburg. Der, und das ist natürlich auch nicht falsch, den Spargelpreis in sein „Korona-Kassensystem“ knallt.

Währenddessen entdeckt Kevin Korona (*1988), der hier oder dort berühmte Bobsportler, das neue Genre der „Corona-Literatur“ mit dem putzigen Slogan: „Lesen ist ansteckend“. Derweil ziehst du genüsslich an deiner „Corona Zigarre“, nur Zigaretten erregen Corona, und übst den Singsang über die Hausordnung, die du dem Nachbarn später vom Balkon geigen wirst.

Diese „Korona“, was laut Duden ein etwas veralteter Begriff für eine „muntere Gruppe junger Leute“ ist, darf sich nun also in der Corona-Krise nicht mehr breit machen, dafür aber konsumieren, was das Zeug hält. Zum Beispiel die branchenspezifischen, täglich oder wöchentlich erscheinenden „Corona-Dossiers“; wie:

  • Corona-Dossier-Fleischwirtschaft
  • Corona: Unser Dossier zur Rechtslage
  • Dossier. Corona-Morgenmagazin-ARD
  • Neues Corona Dossier. Zum dritten Mal in Folge. Horizont
  • Dossier. Corona-Krise. Zukunftsinstitut

Usw. usw.

Und dann der Hype mit den Masken, die du, der du Marke Eigenbau bastelst, auf keinen Fall als „Mundschutz- oder Atemschutzmasken“ anpreisen darfst. Das dürfen nur „Medizinprodukte“, wozu dein Ding natürlich nicht gehört. Also nennst du das „Mundbedeckung“. Oder du bist so schlau wie der Spielzeughersteller playmobil der seit dem 15. April 2020 eine „PLAYMOBIL Nase-Mund-Maske“ für 4,99 €, vertickt, wovon 1 € an den Nothilfefonds des Deutschen Roten Kreuzes gespendet wird; sagen sie.

Dazu kommt Tag für Tag ein „Wir sagen Danke“. Den Ärzten, den Pflegern, den Verkäufern, den Bestattern. Allen voran die Konzernlenker bei Amazon, EDEKA. REWE. LIDL. DHL, und und. Gefolgt von der Bundeswehr im selbst beweihräucherten „EinsatzGegenCorona.de“.

Ich will dich nicht langweilen. Schließlich engagierst du dich enorm. Bist zur Stelle, wenn der Ruf ertönt. In Gesuch wie Angebot. Helfer über Helfer. Bei Eintracht Frankfurt. Bei den Regensburger Domspatzen. Beim Germersheimer Döner-Imbiss. Bei der Familienministerin. Das baut auf. Das macht Mut. Ächt wichtig, das.

Darum sitzt Du Abend für Abend an den Ergüssen für dein „Corona-Tagebuch“. Das sollst du führen, damit du nicht depressiv wirst. Hat Markus Lanz gesagt. Also hau rein. Wir lesen uns wieder.